Darian: Preludium

Es sind Erinnerungen, und die können trügen, aber so zumindest erinnerst Du Dich:
Es war ein lauer Abend im späten Rahjamond, als Du Deinem Ziel näher kamst. Die letzte Wegstation auf der Silem-Horas-Reichsstraße war schon eine Weile her. Gerade hattest Du eine Kreuzung passiert, und wenn die Wegweiser noch stimmten, waren es nur noch ein zwei Stunden bis nach Villa Taranto vor Dir.

Du warst dir mit dem Wegzeichen nicht so sicher, im Krieg, so hörte man damals, stellten Soldaten oft die Schilder um, um weniger ortskundige Feinde zu verwirren. Die Satteltaschen klimperten leise an Lisees Seiten. Mehr Dukaten, als Du je auf einem Haufen gesehen hattest. Deine mageren Ersparnisse, einige geliehene Gelder, etwas versetztes Silber von Jorgen – und, nun ja, Cosimos Geld. Du hattest Dir die in die Jahre gekommene Schimmelstute von deinem Kommilitonen Alendra geliehen. Die Sonne war bereits im Sinken begriffen, und Phex ließ ein paar Sternen schon im Abendlicht glitzern. Damals dachtest Du noch, das wäre ein Gutes Omen. Das war ein Irrglaube.

Es ging schnell. Eine Frau zu Pferd, mit Armbrust im Anschlag. Vermummt. Hatte sie braune oder schwarze Haare? Ganz sicher bist Du Dir nicht mehr, Du hast die Geschichte auch schon zu oft erzählt, Dir selbst und anderen. Und dann waren da noch zwei Männer zu Fuß, einer ebenfalls mit gespannter Armbrust, eine von denen, die im Krieg in Massenproduktion hergestellt wurden.

Die Stimme der Frau war hell, laut und fordernd. Sie machte Dir rasch klar, dass sie deine Satteltaschen wollten, und das die Konsquenz jeglichen Widerstands in Armbrustbolzen in deinem Leib bestehen würde. Mit Armbrüsten, dass hast Du inzwischen gelernt, ist es auf wenige Schritt Abstand mit etwas Übung nicht schwer zu treffen. Diese eine Anatomievorlesung bei Maestro Illidio über die Wunden, die diese Waffen reissen, war damals noch frisch in deinem Geist. Bei Hesinde, es ist heute noch frisch. Du hast Anatomie als Lehrfach danach schnll verworfen.

Du übergabst also Lisees Satteltasche. Die alte Dame zumindest freute sich, weniger Last für sie. Dann waren sie fort. Du warst noch zusehr mit der Vorstellung von Armbrustbolzen beschäftigt, die auf deine Brust gerichtet waren, als dass dir einfiele, ihnen zu folgen.

Du bis dann trotzdem nach Villa Taranto geritten. Warum, weisst Du nicht. Es gab wenig Grund, es nicht trotzdem zu versuchen. Du hofftest auf Milde. Milde? Von Soldaten? Kurz gesagt, als Du einige Zeit später in diesem schäbigen Schankraum standest, und dir von Hauptfrau der leichten Reiterei von Frettos Falken, Aleta Moriziani, hast sagen lassen, dass Du Dich ihretwegen zum Kalifen von Unau scheren könntest. Dein Onkel sei ihm einerlei, wenn Du nicht zahlen könntest. Betäubt namst Du ein Zimmer. Nein, bleiben wir bei der Wahrheit, Du nahmst einen Strohsack im Stall. Für mehr reichte dein Geld nicht, nicht wenn Du noch nach Silas zurückwolltest.

Am nächsten Morgen waren sie weg. Ein tumbes, dumpfes Gefühl. Erst nachdem Du in Silas dein Studium beendet hattest, einen halben Sonnenlauf später, nahmst Du die Suche auf. Du hast nicht besonders viel herausfinden können, von Silas aus. Aus diesem – und auch aus anderen Gründen verliessest Du deine Exilheimat.

Immerhin bekamst Du recht bald heraus, dass die Falken Halosius Fretos einige Wochen nach deinem Besuch in Villa Taranto aufgelöst wurden.

Später konntest Du immerhin die Namen der Mitglieder von Aleta Morizianis aufgelöster Lanze herausfinden.

Tioret von Bethana – gefallen bei einem Scharmützel am Onjet nach Kriegsende
Cythalla Godriatri – an Wundbrand verstorben, ebenfalls durch eine Wunde am Onjet
Emerinde Diriente – unbekannter Aufenthalt
Sarasto von Lowangen – unbekannter Aufenthalt, letzte Sichtung in einem Arivoer Hurenhaus
Bethesde Dinuzal – unbekannter Aufenthalt
Arietta Rimini – angeblicher Aufenthalt in Mengbilla. Außer Reichweite.
Beneto Riviero – verstorben. Erdrosselt von Strauchdieben. Du hast sogar sein Grab besichtigt.
Karlero Sytemo – unbekannter Aufenthalt, vermutlich außer Landes
Mirieto Ravessalle – stürzte sich aus dem Fenster des Lazaretthauses, als er begriff, was mit seinen Händen los war
Und zuletzt, Aleta Moriziano natürlich, die Hauptfrau, ebenfalls unbekannter Aufenthalt

Darian: Preludium

Syllanische Händel sylla